Kühlen Kopf bewahren beim Hotelprojekt

Das geplante Fünf-Sterne-Hotel am Festspielhaus (FSH) sorgt in Füssen seit Wochen für hitzige Diskussionen. Um so mehr ist es dringend notwendig, bei der Entscheidung Für oder Wider einen kühlen Kopf zu bewahren.
Superlative wie Leuchtturm-Projekt, touristisches Flaggschiff oder exquisiter Konferenzort dürfen nicht den Blick verstellen. Und ebenso wenig zielführend sind Drohkulissen, sollte das Hotelprojekt nicht verwirklicht werden. Argumentiert wird mit einem Verlust von Arbeitsplätzen, der Gefahr einer Investitionsruine oder einem Imageschaden für die ganze Stadt. Zu Übertreibungen neigen auch die Gegner des Projektes, wenn sie von Dimensionen eines Kreuzfahrtschiffes oder von reinstem Horror sprechen.
Einigkeit herrscht darin, dass das Festspielhaus in seinem Bestand gesichert werden soll.
Zu prüfen ist die Aussage, ob dies ausschließlich über einen Hotel-Neubau erreicht werden kann. Denn nur für diesen Fall wird die Genehmigung durch das Landratsamt an diesem Standort ausnahmsweise erteilt. Die Frage, ob Füssen ein Fünf-Sterne-Hotel braucht, kann deshalb nur im Zusammenhang mit dem FSH diskutiert werden. Das weiß auch der Investor Manfred Rietzler. Um Spekulationsvorwürfen den Wind aus den Segeln zu nehmen, bedarf es deshalb einer ausführlichen Darstellung des Gesamtkonzepts sowie einer Sicherstellung der Einheit von FSH und Hotel.
Mich würde interessieren, ob bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, das FSH auch ohne Hotel in die schwarzen Zahlen zu führen.
Abgesehen von diesen Grundsatzfragen, müssen auch planerische Inhalte auf den Prüfstein und der Entwurf des städtebaulichen Durchführungsvertrages auf den Tisch. Bei aller Euphorie für den Erhalt des FSH und das Prestigeobjekt Luxus-Hotel, dürfen keine handwerklichen Fehler zum Nachteil der Stadt Füssen gemacht werden. Was die ökologische Beurteilung des Projektes anbelangt, so müssen die Einwendungen aus der öffentlichen Auslegung berücksichtigt werden. Vieles wäre einfacher, wenn das Hotel eine Nummer kleiner wäre und das Landschaftsschutzgebiet nicht tangieren würde. Allerdings kommt das für mich nur in Betracht, wenn glaubhaft dargestellt wird, dass das Hotel alternativlos ist.
Eines ist klar: Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf frühzeitige Aufklärung, umfassende Information und Mitnahme. Und das, bevor bereits die Weichen gestellt sind. Vielleicht wäre dann das aktuell eingeleitete Bürgerbegehren gar nicht nötig gewesen.

2 Kommentare zu “Kühlen Kopf bewahren beim Hotelprojekt

  1. Jürgen Brecht

    Der geplante Durchführungsvertrag zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan sollte der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, richtig. Gerade bei einem Projekt wie diesem. Vorbildlich in Sachen Transparenz für solche Durchführungsverträge ist zum Beispiel Hamburg. Dort werden alle Verträge dieser Art auf der Webseite der Stadt veröffentlicht.

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    1. Christine Fröhlich Post author

      Sehr geehrter Herr Brecht!
      Ja, das kann ich bestätigen. In Hamburg werden Durchführungsverträge veröffentlicht.
      Aus Datenschutzgründen sind schützenswerte Daten geschwärzt. Das ist vollkommen in
      Ordnung. ( Beispiel: https://www.hamburg.de/altona/bebauungsplaene/4619132/osdorf48/)
      Ginge es nach mir, hätten wir schon lange eine Informationsfreiheitssatzung, nach der
      eine solche Veröffentlichung möglich wäre. Leider fehlen dafür z.Zt. die politischen
      Mehrheiten im Stadtrat. Sollte ich 2020 zur Bürgermeisterin gewählt werden, werde ich mich
      dafür stark machen.

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