Neujahrswunsch – Mehr Respekt

In der politischen Auseinandersetzung, im Ringen um eine optimale Lösung und im Bemühen Überzeugungsarbeit für seine Sache zu leisten, muss die Art der Kommunikation bestimmte Regeln einhalten. Dazu gehört für mich, auch gegensätzliche Meinungen und Kritik zu tolerieren und eine sachliche Diskussionskultur zu pflegen. Das ist nur möglich, wenn man seinem Gegenüber den nötigen Respekt entgegenbringt und ihm auf Augenhöhe begegnet.
Toleranz bedeutet dabei nicht unbedingt Zustimmung, sondern das Zugeständnis, andere Meinungen gleichberechtigt gelten zu lassen. Wir leben in einer Zeit, in der vielfältige soziale und politische Positionen aufeinandertreffen. Der Ton in den Debatten wird rauer und die Grenze des fairen Umgangs häufig überschritten. Deshalb heißt mein Neujahrswunsch – Mehr Respekt!

Auf kommunaler Ebene konnte man in Füssen im vergangenen Jahr zahlreiche Beispiele für eine ungenügende Respektkultur beobachten. Ich erinnere an die öffentlich geführte Diskussion um den vermutlichen Titelmissbrauch und die berufliche Qualifikation des damaligen Hauptamtsleiters. Letztendlich stellte das Gericht keine strafbare Handlung fest und auch die korrekte Eingruppierung bei der Besoldung wurde gutachterlich bestätigt. Doch was im Vorfeld im Rahmen einer monatelangen Kampagne an persönlichen und allgemeinen Anfeindungen gegenüber Betroffenen vor allem auch in den Sozialen Medien zu lesen war, verletzte die Regeln einer sachlichen Kritik.

Allgemein ist festzustellen: Unsachlich wird es dann, wenn Kritik in den Bereich der (Verschwörungs-)Theorie abgleitet, ohne handfeste Beweise in der Sache vorzulegen und/oder wenn eventuelles Fehlverhalten zur persönlichen Diffamierung führt. Dabei ist für mich vor allem die Wahl der Worte entscheidend.
Beispiel: Wenn eine Aussage nicht der Wahrheit entspricht, so kann ich bezüglich dieser Aussage Kritik üben, indem ich beweise dass die Aussage falsch war. Nicht mehr und nicht weniger. In diesem Zusammenhang von „Lügen“ zu sprechen, ist persönlich verletzend, unterstellt eine gewisse kriminelle Energie und fällt ein pauschales Urteil. An dieser Stelle fällt mir ein bekanntes Zitat ein: „ Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein.“

Einen großen Scherbenhaufen hinterließ in Füssen der Bürger- und Ratsentscheid zum Strandbad in Weißensee. Auch hier wurde mit harten Bandagen für die eigene Sache gekämpft und teilweise unter der Gürtellinie ausgeteilt. Die Auseinandersetzungen gipfelten in rassistischen Anfeindungen, offenen Drohungen gegen einzelne Personen oder pauschale Verunglimpfung eines ganzen Ortsteils.
Das ist falsch verstandene Demokratie und Meinungsfreiheit!

Noch ein Wort zum Umgangston auf Bürgerversammlungen: Wenn man bei einem Redebeitrag als Bürger Angst haben muss, ins Lächerliche gezogen zu werden, braucht man sich über Politikverdrossenheit nicht wundern. Ebenso gilt umgekehrt: Unsachliche Kritik führt auch zu Frust bei den politischen Mandatsträgern.

Die politischen Mandatsträger haben aber auch eine besondere Verantwortung: Sie haben Vorbildfunktion wenn es um eine faire, politische Auseinandersetzung geht. Die öffentlichen Stadtratssitzungen lieferten da manchmal leider kein gutes Beispiel.

Mein Wunsch für das neue Jahr ist: Kommen wir zurück zu einer gesunden Debattenkultur!
Dazu gehört Diskussion auf Augenhöhe, Toleranz bei Meinungsvielfalt und Respekt im Umgang mit unseren Mitmenschen.

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