Menschen mit eingeschränkter Mobilität organisieren sich

Initialzündung war die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes in Füssen: Weil Rollstuhlfahrer über die baulichen Maßnahmen zur Barrierefreiheit enttäuscht und verständnislos reagierten, gründeten sie kurzerhand die „Interessensgemeinschaft für Menschen mit eingeschränkter Mobilität“. Ziel sei,  „ die Aufklärungsarbeit für Menschen mit und ohne Handicap aber auch für die Verantwortlichen und Entscheidungsträger der Stadt Füssen sowie auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien in Stadt und Kreis.“ so die Sprecherin der Initiative, Frau Christine Halaby aus Füssen.
Zu den Menschen mit eingeschränkter Mobilität zählt die Interessensgemeinschaft Geh- und Sehbehinderte, Senioren, Familien mit Kinderwagen wie auch Kinder und Jugendliche mit Laufrädern. Im Fokus stehen auch die zahlreichen Selbsthilfegruppen, deren Anliegen ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Ansprechpartner für die Stadt Füssen wäre in erster Linie der Beirat für Menschen mit Behinderungen (Vorsitzende Frau Stadträtin Dagmar Rothemund) sowie der SeniorInnenbeirat (Vorsitzende Frau Stadträtin Ilona Deckwerth). Entsprechende Kontakte wurden bereits angebahnt. Auf Kreisebene ist die Landkreis-Behindertenbeauftragte Frau Waltraud Joa zuständig. Sie berät die Stadt Füssen bei allen Baumaßnahmen, bei denen die Belange von Behinderten Berücksichtigung finden müssen. Hier wünscht man sich vor allem die frühe Einbindung bei geplanten Projekten. „In unseren Reihen gibt es einen großen Erfahrungsschatz und auch Experten in Sachen Barrierefreiheit und eingeschränkter Mobilität, sei es als Betroffener oder als pflegender Angehöriger. Es gilt dies zu nutzen, zu bündeln und mit Nachdruck einzubringen.“ erklärt Frau Christine Halaby.

Sie selbst war in der Vergangenheit ehrenamtlich in einer Behindertenwerkstatt tätig, arbeitete mit psychisch Kranken und hatte einen schweren Pflegefall in der Familie. Aus Rosenheim war sie vor zwei Jahren nach Füssen gezogen, um nach einem schweren Schicksalsschlag hier einen Neustart zu wagen. Für die neu gegründete Interessensgemeinschaft engagiert sie sich deshalb auch gerne und wurde gebeten, als Sprecherin zu wirken.
Kontakt:

Christine Halaby, Sebastianstraße 12, 87629 Füssen, T: 0163 – 7116262
E-Mail: hmhalaby@cablenet.de

Zum harten Kern der Gemeinschaft zählen ca. 10 Personen, insgesamt haben sich ca. 40 Personen organisiert. Ein eigener Internetauftritt ist bereits in Arbeit. Auf facebook ist die „IGM- Füssen Interessensgemeinschaft für Menschen mit eingeschränkter Mobilität“ als öffentliche Gruppe bereits aktiv. Jeden 2. Dienstag im Monat möchte sich die Interessensgemeinschaft zukünftig zu einem allgemeinen Gedankenaustausch treffen. Jeder ist willkommen. Der Ort wird noch festgelegt. Wer Interesse hat, kann sich kurzfristig bei Frau Christine Halaby erkundigen.

Aktuelle Themen sind:
*          Die Barrierefreiheit und Verkehrssicherheit rund um den Bahnhof und den neuen ZOB
*          Die Versorgung mit, der Zugang und die Pflege von Behinderten-Toiletten in der Stadt

Ein Kommentar zu “Menschen mit eingeschränkter Mobilität organisieren sich

  1. Jürgen Brecht

    Ich denke, es gibt was zu tun für die IGM und bin gerne Unterstützer.

    Im Kreisboten vom 25.11. heißt es zum Bebauungsplan Bahnhofstraße, dass die Fahrbahn um 38 Zentimeter erweitert werden soll, die vom nördlichen Gehweg der Bahnhofstraße weggenommen werden. Daneben soll der Parkstreifen am Luitpoldparkhotel um einen Meter erweitert werden, damit hier künftig Reisebusse zum Be- und Entladen halten können. Die nötige Fläche dafür, will man vom nordseitigen Gehsteig abzwacken. Der soll so auf eine Breite von 2,18 bzw. 1,62 Meter verkleinert werden.”

    Unten stehende Richtlinien für die Neuanlage von Gehwegen sind sehr interessant.

    Die Fahrbahnerweiterung um 38 Zentimeter für den fließenden Verkehr kann ich als vorteilhaft anerkennen in Abwägung mit dem “Gut” Breite des Gehweges. Einen weiteren Meter dazu, wie es im Bericht steht, halte ich vom Aspekt eines behindertenfreundlichen Gehweges und auch vom Aspekt des Tourismus her für falsch. Um rund 5 Minuten vor einer Stunde kommen die Züge an, um rund 5 Minuten nach einer Stunde fahren sie ab. Da begegnen sich auf diesem Gehweg ankommende und zum Bahnhof gehende Fußgänger. Mit Gepäck. Dann sind nördlich der Gleise die zahlreichen Wohnungen betreutes Wohnen. Von dort und dorthin gehen oft Menschen mit Rollatoren. Menschen, die zur Post gehen und von dort in die Altstadt kommen hinzu.

    Folgendes sind aktuelle Richtlinien für neu anzulegende Gehwege. Eine Mindestbreite von 2,50 bis 2,70 Meter wird unbedingt empfohlen Wir können uns glücklich schätzen, in der Bahnhofstraße diesen relativ breiten Gehweg zu haben:

    “Der Breiten- und Längenbedarf von Personen mit Stock oder Armstützen, blinden Personen mit Langstock, Blindenführhunden oder Begleitpersonen bzw. aus den Abmessungen von Rollstühlen ist größer, als diese für den allgemeinen Fußgängerverkehr in Ansatz gebracht werden […].“ (H BVA, 3.1.1) Allgemein sollte der Seitenraum für die Nutzung durch mobilitätseingeschränkte Personen 2,70 m breit sein, zusammengesetzt aus 2 m Begegnungsraum (2 x 90 cm für Verkehrsteilnehmer und 20 cm Sicherheitsabstand), 50 cm Abstand zur Fahrbahn und 20 cm Abstand zu Haus oder Grundstück. Die geforderte Breite erhöht sich mit steigendem Fußverkehrskommen. (H BVA, 3.3.1)

    http://www.geh-recht.info/barrierefreiheit

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