Kinderspielplatz Relaunch im Baumgarten

„So a Saustall darf in Fiassa it sei!“ Mit diesen Worten des damaligen Vorsitzenden des Kur- und Verkehrsvereins wurde das Projekt Abenteuerspielplatz im Baumgarten in den 70er Jahren zu Grabe getragen. Mit einem Palisadensandkasten und einem Röhrentrakt zum Spielen – mit viel Bürgerengagement erbaut – konnte man damals wenig anfangen und die weitere Finanzierung wurde gestoppt. Dies sei der eigentlich Grund, warum dieses Vorhaben  letztendlich gescheitert sei. So der kurze historische Rückblick von 1. Bürgermeister Paul Iacob (SPD)  in der Stadtratssitzung vom 20. Dezember 2016.
Auf der Tagesordnung stand ein Antrag von Stadtrat Wolfgang Bader (SPD) zur (Wieder-)Errichtung eines Kinderspielplatzes im Baumgarten. Seine Begründung: An ihn seien als Vorsitzenden des Kinder- und Jugendbeirats entsprechende Wünsche von Eltern aber auch seitens der Kindergärten und –horts herangetragen worden. Die Tendenz gehe allgemein zu mehreren kleinen Plätzen, die über die ganze Stadt verteilt sein sollen. Speziell im  Baumgarten soll ein kostengünstiger Spielplatz entstehen, ohne aufwändige Bauten, um auch Vandalismus auszuschließen. Er soll eher jüngere Kinder ansprechen mit einem speziellen Motto, z.B. ein Drachenspielplatz.
Im Gremium wurde der Antrag überwiegend positiv bewertet, aber auch kritisch beleuchtet. Stadträtin Ursula Lax (CSU) betonte, dass man die vielen jungen engagierten Mütter, die dieses Projekt angestoßen hatten, unterstützen sollte. Vielleicht würden sich ja auch Sponsoren finden. Stadtrat Niko Schulte (CSU) forderte eine Beleuchtung für den geplanten Spielplatz, um Vandalismus vorzubeugen. Stadtrat Herbert Dopfer (FÜS-Land) mahnte, die Kosten im Auge zu behalten und erinnerte an den noch zu bauenden Spielplatz in Weidach. Auch Stadträtin Dr. Anni Derday (FW) verwies auf das Kostenproblem und beantragte eine Stellungnahme des Kämmerers zur Finanzierbarkeit. Dieser verwies auf eine Berücksichtigung im Haushalt frühestens für 2018. In diesem Zusammenhang machte 1. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) eine Kostenschätzung in Höhe von 30.000 Tsd – 50.000 Tsd Euro, denn der Untergrund müsse hergerichtet sowie Fundamente für Spielgeräte erstellt werden.
Hauptargument der Gegner war der in den 70er Jahren schon einmal gescheiterte Versuch,
im Baumgarten einen Spielplatz dauerhaft einzurichten. Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) verwies auf Probleme in der Vergangenheit, die heute immer noch bestünden (subjektives Unsicherheitsgefühl, “dubiose, biertrinkende Gestalten”, fehlende Parkmöglichkeiten, fehlende Toiletten, schwere Erreichbarkeit, z.B. mit einem Kinderwagen, fehlende Sitzmöglichkeiten, keine Barrierefreiheit, freilaufende Hunde). Zudem müsste ein Zaun um das Gelände gebaut werden. Bei jedem modernen Spielplatz sei das so. Auch wurde der frühere Spielplatz nicht besonders gut angenommen, insbesondere auch die Pfahl- und Tunnelbauten. Anstatt einen neuen Kinderspielplatz im Baumgarten zu errichten, plädiere er für Verschönerungsmaßnahmen an dem bereits bestehenden Kinderspielplatz im Freyberggarten. Dort wären die Rahmenbedingungen erheblich besser. Der ausführliche Vortrag von Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) veranlasste Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD) zu einem genervten Zwischenruf, worauf Herr Dr. Böhm bat, ausreden zu dürfen.
Den Bedenken von Stadtrat Christoph Böhm (CSU) widersprachen Stadträtin Ursula Lax –CSU- (moderne Kinderwagen schaffen auch steile Hänge), Stadtrat Lothar Schaffrath –SPD- (Toiletten gibt es im Klosterhof), Stadtrat Heinz Hipp – CSU – (Früherer Spielplatz war “Truppenübungsplatz”. Wäre jetzt anders. Man solle sich auch einmal die Kinderspielplätze in den umliegenden Gemeinden anschauen.), Stadtrat Andreas Eggensberger –CSU- (Als heutiger Vertreter des Tourismusvereins stimme ich dafür.) und Stadtrat Wolfgang Bader –SPD- (Ich habe Vertrauen in die Hundebesitzer. Für den Baumgarten-Spielplatz braucht man kein Auto, denn er fungiert als Lückenschluss.)
Stadtrat  Magnus Peresson (UBL) erinnerte noch an die Bedeutung des Geländes als Bodendenkmal und gab zu Bedenken, dass es an der geplanten Stelle „grausig zieht“.
Ergebnis:
Dem Antrag wurde mit zwei Gegenstimmen (Stadträte Dr. Christoph Böhm – CSU –  und Magnus Peresson – UBL -) mehrheitlich zugestimmt (15:2 bei 8 abwesenden Stadträten).

4 Kommentare zu “Kinderspielplatz Relaunch im Baumgarten

  1. Robert Wilhelm

    Als Vater von zwei Kindern bin ich sehr oft im Baumgarten, vor allem im Winter, wenn Schnee liegt, ist der Baumgarten ideal für Winteraktivitäten. Warum ist man nur so wenig fantasievoll? Es bedarf so wenig Aufwand, um gerade im Winter auch mit dem wenigen Schnee einige “Spielhügel” auf zu schütten. Dort kann dann gerutscht, geklettert, gegraben und was weiß ich was alles werden. Ich persönlich nutze dies und habe in Eigenregie in den letzten beiden Wintern dort einen kleinen “Snowpark” aufgebaut (Foto wurde leider nicht im Füssen Aktuell abgedruckt). Ich möchte damit vor allem die Eltern, die mit ihren Kindern in der Altstadt leben, animieren raus zu gehen und mit zu machen, wenn die Stadt uns dann mit dem Räumfahrzeug etwas unterstützt, wäre schon viel geholfen. Wenn man allerdings, so wie Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) argumentiert (was ich als “totreden” bezeichnen würde), wird sich im Baumgarten Sommer wie Winter nichts in die Richtung unserer Kleinsten bewegen. Das wäre ja nichts Neues. Siehe Problematik Kindergartenplätze und Bau des neuen Kindergartens. http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Neuer-Kindergarten-in-Fuessen-wird-mit-Verspaetung-fertiggestellt;art26090,2383509 . Aber das ist wieder ein anderes Thema, was gründlich vernachlässigt wurde.

    Reply
    1. Christine Fröhlich Post author

      Habe heute an Sie und Ihren Kommentar zum Kinderspielplatz im Baumgarten gedacht. Aktuell liegt Schnee und man könnte Ihren Vorschlag in die Tat umsetzen. Übrigens eine gute Idee, eventuell mit weniger Aufwand einen schönen Spielplatz zu gestalten. Haben Sie das Bild vom “Snowpark” noch? Möchten Sie es mir schicken, damit ich es hier im Blog veröffentlichen kann? info@blickpunkt-fuessen.de
      Herzliche Grüße von Christine Fröhlich

      Reply
  2. Hugenschmidt

    Hat sich der Stadtrat bei seinem Beschluss auch zu der Toiletten-Situation auf dem Baumgarten Gedanken gemacht?
    Grundsätzlich sollte man bedenken, dass es hinter den Mauern des ehemaligen Vorwerkes des Hohen Schlosses bereits heute eine “Öffentliche Toilette” gibt und wenn ein Spielplatz hier noch erstellt wird, sich dies nicht wirklich positiv verändern wird.
    Gerade Kinder verspüren beim Spiel leicht mal ein dringendes Bedürfnis, welches sich aber hier oben nicht wirklich lösen lässt. So geht man halt schnell mal hinter die Mauer…
    Dieses Problem zu lösen ist Aufgabe der Stadtverwaltung.

    Ferner kann ich Herr Wilhelms Aussage nur beipflichten, dass man durchaus auch selbst etwas bauen könnte um die Kinder zufrieden zu stellen. Reicht doch meist auch sehr wenig dazu aus.

    Reply
    1. Christine Fröhlich Post author

      Zunächst einmal könnte ich mir vorstellen, dass ein belebterer Platz die Meisten davon abhalten könnte, mal so eben
      in freier Natur….. Grundsätzlich habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht, ob man bei Spielplätzen eine
      öffentliche Toilette benötigt. Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich mit meiner kleinen Tochter auf Spielplätzen war,
      aber ein Toilettenproblem hatte ich nie. Entweder sie trug noch Windeln oder musste einfach nicht. Jedenfalls kam ich nie
      in Verlegenheit. Was nicht heißen soll, dass es auch anders sein kann.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.