„Unseren Saustall wegbringen.“

In der Bauausschusssitzung am 2. Mai 2017 wurde über das neue Hotel „New Schwanstein“
an der Augsburger Straße wieder einmal beraten. Das schon vor fast 6 Jahren initiierte Bauprojekt – Wohn- und Geschäftsanlage mit Hotel und Tiefgarage –  soll nun endgültig zum Abschluss kommen. Nach Insolvenz des ursprünglichen Projektträgers und Übernahme durch einen neuen Investor wird nun in Kürze ein 243- Betten Hotel der „Best Western“ – Hotelkette mit 4-Sterne Klassifizierung eröffnet werden.
Das Projekt hatte der Stadt Füssen von Anfang an Magenschmerzen bereitet, da ursprünglich ein Hotel im unteren Preissegment geplant war und sich die verkehrstechnische Abwicklung des entstehenden Bus- und Lieferverkehrs als problematisch erwies. Auch die für die anvisierte Bettenanzahl erforderlichen Stellplätze konnten nur mit Müh und Not in TG und Freifläche nachgewiesen werden. Mit entsprechenden Auflagen wurde dennoch im September 2012 der vorhabenbezogene Bebauungsplan N 54 –Robert-Schmid-Straße Nordwest als Satzung beschlossen und der Startschuss  für das geplante Projekt gegeben.
Schon im April 2013 wurde eine 1. Änderung des Bebauungsplanes in Angriff genommen, da es sich im Zuge der Prüfung des Baugesuchs für das geplante Projekt beim Landratsamt Ostallgäu herausgestellt hatte, dass nach Auffassung der Baugenehmigungsbehörde die Planung in einzelnen Punkten nicht von den Festsetzungen des Bebauungsplanes gedeckt sei und eine Genehmigung ohne eine Änderung des Bebauungsplanes nicht möglich sei.
Nach dem im Juni 2013 die 1. Änderung mit 17:6 Stimmen abgesegnet und das Bauvorhaben  in Angriff genommen wurde, war das Ergebnis letztendlich ein Baustopp aufgrund eines Insolvenzverfahrens. Auch stellte sich heraus, dass Auflagen nicht erfüllt wurden. So entpuppte sich die Einfahrt zur Tiefgarage als zu niedrig für größere Lieferfahrzeuge. Die Abwicklung des Lieferverkehrs über die TG des geplanten Hotels war u.a. eine Bedingung für die Baugenehmigung gewesen.
Nun hat ein Nachfolger das Projekt übernommen und fast fertiggestellt. Immer wieder beschäftigte das Projekt den Bauausschuss, auch weil wichtige Unterlagen fehlten, unter anderem ein korrekter Stellplatznachweis, eine Stellungnahme zur Anlieferung und die Freiflächengestaltung. In der jüngsten Sitzung ging es um die Freiflächengestaltung, die wiederum nur teilweise befürwortet wurde (8:2 Stimmen – dagegen: Stadträte Magnus Peresson/ UBL und Michael Schmück/CSU– nicht anwesend: Stadträtin Dr. Anni Derday/FWF, Stadträte Andreas Eggensberger/CSU und Bernhard Eggensberger/ Füssen-Land), weil Stellplätze nochmals verändert werden sollen. Aber das Projekt kann nun im Wesentlichen auf den Weg gebracht werden, wofür auch Füssens Tourismuschef Stefan Fredlmeier in einer Stellungnahme plädierte. Und Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD) ließ sich sogar zur Aussage hinreißen: „ Ganz schnell genehmigen und unseren Saustall endlich wegbringen!“ Er verwies auch auf die Situation einiger Hotels in der Innenstadt, die ebenfalls nicht optimal sei, was Bus- und Lieferverkehr anbelange.
Allerdings befindet sich das auf dem ehemaligen Holzer-Gelände entstandene Hotelprojekt an einem verkehrstechnisch sehr sensiblen Standort, der auch das Verkehrsprojekt der Zukunft für die Stadt Füssen beeinflussen könnte. (Anm. des Verfassers) Im Westen befindet sich die Augsburger Straße mit einem an das Grundstück angrenzenden Geh- und Radweg. Im Süden verläuft die Robert-Schmid-Straße, die in die Augsburger Straße mündet. An diesem Verkehrsknotenpunkt soll in Zukunft der schon seit vielen Jahren diskutierte Kreisverkehr entstehen. Ein- und Ausfahrten des Hotelverkehrs führen über diese neuralgischen Punkte.
Dass die Busbewegungen sich eher in Grenzen halten sollen, da man eher auf den Individualverkehr setze, wie es der Hotelbetreiber in seiner Begründung formuliert, glaubte Stadtrat Jürgen Doser (FWF) nicht und erkundigte sich bei der Verwaltung, inwieweit der geplante Kreisel tangiert sei. Darauf erklärte Bürgermeister Iacob (SPD), dass für das Hochbauamt Kempten momentan dieses Thema nicht weiterverfolgt würde, denn für einen Kreisverkehr müssten die Achsen nahezu gleichbedeutend sein. Die alleinige Dominanz der Augsburgerstraße mit ihrem sehr hohen Verkehrsaufkommen rechtfertige bisher keinen Kreisverkehr. Die Stadt Füssen werde aber weiter an dem Konzept des Kreisverkehrs festhalten. Daraufhin entgegnete Stadtrat Jürgen Doser (FWF), dass in Zukunft ja durch anders geregelte Verkehrsflüsse eine andere Situation entstehen könnte.
Auch die geplante Installation einer Fußgängerampel auf Höhe des ehemaligen Landratsamtes und nahe der Kreuzung Augsburger Straße/Robert Schmid Straße/ Dr. Samer Straße müsste im Falle einer Realisierung des Kreisels eventuell wieder zurückgebaut werden. (Anm. des Verfassers).

2 Kommentare zu “„Unseren Saustall wegbringen.“

  1. Mößmer, Rupert

    interessant. Doch wo liegt das Grundstück genau. Welche Flurnummern betrifft es? Und wie heißt der
    der Investor? Danke

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    1. Christine Fröhlich Post author

      Hallo, Rupert Mößmer!
      Der Investor ist mir nicht bekannt. So etwas wird nur in einer nicht-öffentlichen Stadtratssitzung angesprochen.
      Das Grundstück befindet sich an der Augsburger Straße , Ecke Robert-Schmid-Straße, Fl.Nr. 1611/3 (Vgl. Sitzungsniederschrift
      Stadtrat vom 30.04.2013 auf http://www.stadt-fuessen.de)
      Danke für Ihr Interesse und Herzliche Grüße
      Christine Fröhlich

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